Der Chilkoot Trail

Die Geschichte fing damit an, daß uns in einem Motorradladen in Calgary ein sportlich und durchtrainierter Typ anquatschte und fragte: "He, wenn Ihr nach Skagway fahrt, macht Ihr bestimmt auch den Chilkoot Trail. Der ist supergut und den dürft Ihr nicht missen". Fortan hatte Martina den Nagel im Kopf: "Wir machen den Chilkoot Trail". Nun, von Calgary nach Skagway, Alaska sind es einige tausend Kilometer und ich sah noch keinen Anlass, mich über irgendwas aufzuregen.

Aber tatsächlich. Kaum in Skagway angekommen, schleppte mich Martina zielstrebig in das Office der Ranger um die nötigen Formalitäten zu erledigen. Alle meine Einwände, wie: "Da geht es doch bergauf! Wir müssen tagelang unser eigenes Essen mitschleppen und da gibt es Bären die uns fressen wollen!" verhallten ungehört. So kam es, wie es kommen mußte. Ich fand mich am Anfang des Trailes mit einem 25 Kilorucksack wieder und hoffte, das es nicht so schlimm kommen würde.

Es geht los

Es kam nicht so schlimm, es kam schlimmer. Alle 300 Meter, fluchte ich über den schweren Rucksack, den steilen Weg, das Wetter, über durchtrainierte und sportliche Männer die sich in Calgarys Motorradläden aufhalten und über andere Ungerechtigkeiten dieser Welt.

Zum Chilkoot-Trail ist zu sagen, daß es ein sogenannter "No-Trace-Trail" ist. Das heißt, man nimmt alles mit, was man braucht und seinen Müll auch wieder mit hinaus. Die Dauer beträgt, je nach dem, 1 bis 5 Tage. Es sind insgesamt ca. 60 Km und der Chilkot-Pass auf gut 1000 Meter ist zu überwinden. Er folgt dem historischem Trail, den Tausende Goldsucher währen des Goldrushes am Klondike gefolgt sind. Es geht los aus Meereshöhe in Dyea und die ersten Kilometer folgt man dem Trail durch Alaskanischen Regenwald. Hinter dem Sheep Camp geht es dann hoch zum Pass, der die Grenze nach Kanada markiert. Dann folgt man den Quellseen des Yukon in hochalpiner Landschaft. Die Tour endet entweder in Bennett, wo man mit dem Zug zurückfahren kann, oder für Hundebesitzer, deren Hund nicht im Zug mitfahren kann an der Log Cabin am Klondike Highway,

Erst nach und nach versöhnte ich mit meinem Schicksal. Die Landschaft war genial, der Rucksack wurde leichter, schließlich verbrauchten wir ja nach und nach unser Futter.

Die Route

 

Der Chilkoot-Trail ist limitiert. D.h. nur 50 Wanderer am Tag dürfen losmarschieren. Das ist dann doch gar nicht so wenig, wenn man sich an den Camps trifft. 

 


Am 3. Tag hinter dem Sheep Camp auf ca. 800 Meter Höhe. Wir waren ganz schön erstaunt darüber, wie viel Schnee es hier noch hat. Immerhin ist gerade Mitte Juli

 

 

Aufstieg zum Chilkot-Pass

 

Lager am Happy Camp. Es war das erste mal, daß wir so lange autark unterwegs waren. D.h. für 5 Tage die volle Campausrüstung mit Essen für uns und Tinka ohne jegliche Versorgungsmöglichkeit.

 

Kurz vor Lindemann City. Der Name verspricht viel, ist aber nun 100 Jahre nach dem Goldrush nur eine Hütte mit Feuerstelle.

 

Die letzten Kilometer zur Log Cabin. Hier blieb uns nichts anderes übrig, als den Bahngleisen zu folgen, der uns zum Highway zurückführte. Einen Trail gibt es nicht.
 

Nach 5 Tagen waren wir wieder in der Zivilisation. Und wie es so ist, es war natürlich supergut und man sollte den Chilkoot-Trail auf keinen Fall missen, wenn man mal in Skagway ist...