Petras Tod

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Petra

Norbert und Petra haben wir zum erstenmal in Coroico getroffen. Martina und Petra verstanden sich auf Anhieb blendend. Es gab viel zu erzählen. Petra und Norbert waren schon seid 10 Monaten mit Ihrem Jeep Cherokee in Südamerika unterwegs und wir hatten viele gemeinsame Ziele besucht. Eine Woche lümmelten wir gemeinsam im Sol y Luna herum und machten zusammen Ausflüge.

Da sie die Dschungel-Bergtour Coroico-Mapiri-Sorrata nicht machen wollten (Sie hatten schon genug Abenteuer auf der Missiones Tour bei Santa Cruz), trennten sich unsere Wege. Wir trafen uns wieder in Copacabana am Titicacasee. Wieder gingen die Wege auseinander und erst in Lima sahen wir uns wieder. Sie waren auf dem Weg nach Pucallpa und wir verabredeten uns dort. Wieder verbrachten wir einige Tage gemeinsam. Wir unternahmen Dschungeltouren und gingen abends in eine Karaoke-Bar, in der wir viel Spaß hatten.

Wir fuhren mit dem Bus zurück nach Huanuco. Sie kamen mit Ihrem Auto nach und besuchten Martina im Hotel während ich in Lima beim Zoll war, um meine neue Kardanwelle zu holen.

Wieder waren wir verabredet für Caraz. Wenige Tage später trafen wir dort wieder zusammen. Im Hotel Chamanna hatten wir ein Candlelight-Dinner beim besten Essen von ganz Südamerika. Rainer, der Besitzer von Chamanna war 3-Sterne Michelin-Koch und uns glänzten die Augen. Nach 2 genußvollen Tagen wollten wir zusammen nach Trujillo fahren. Doch Rainer lud uns ein, noch einen Tag zu bleiben, denn er hätte gern seine Webpage überarbeitet. Petra und Norbert fuhren derweil schon mal los und wir verabredeten uns für den nächsten Tag im Casa Suiza, in Huanchaco bei Trujillo. Wir blieben auf Wunsch von Rainer dann noch einen Tag länger, hofften allerdings, trotzdem Petra und Norbert in Huanchaco anzutreffen.

Die Strecke von Caraz nach Trujillo ist 250 km lang und geht durch eine lange enge Schlucht (genannt die Entenschlucht) durch die Anden, die hier zum Pazifik abfallen. Wir fuhren bei bestem Wetter los und die Piste zeigte sich von Ihrer schönsten Seite. Eng im Tal durch unzählige grob gehauene Tunnel. Mehrmals überqueren Brücken die Straße. Bei Km 94 nach Caraz und 3 Stunden Fahrt kam wieder eine Brücke. Eine Stahlträgerkonstruktion. Über die Querstreben waren Holzbohlen in Reifenabstand gelegt, so daß ein Auto über die Bretter die Brücke überqueren kann. Allerdings fehlten an einer Stelle die Bretter. Ich stieg ab und begutachtete die Brücke. Zwischen den Querstreben mit ca. 1 Meter Abstand ging es ca. 10 Meter in die Tiefe. Das Flußbett war weitestgehend ausgetrocknet. Ich konnte eine weitere lose Planke entdecken. Die nahm ich, um die offene Stelle abzudecken. Dann fuhr ich mit dem Gespann auf die Brücke und über das gelegte Brett, wohl wissend, daß, wenn dieses nicht hält, der freie Sturz in die Tiefe unvermeidlich war. Als die kritische Stelle überwunden war, mußte ich das Brett wieder auf die ursprüngliche Position legen, damit auch diese überfahren werden konnte.

Martina hatte beim betreten der Brücke schwer mit Höhenangst zu kämpfen und ich fuhr ihr Motorrad über die Planken.

Wenige Kilometer hinter der Brücke kam uns ein Polizeiauto entgegen. Die winkten wie verrückt und anhalten wollte ich eigentlich nicht, da erkenne ich Norbert auf dem Rücksitz. Er steigt aus, in schwarz gekleidet. Er sagt mir direkt. "Petra ist tot. Sie ist auf der Brücke dort vorne abgestürzt": Norbert mußte gleich weiter, weil die Polizei Fotos vom Unfallort machen wollte und um abzuklären, ob er überhaupt die Wahrheit sagt. Er drückt mir die Visitenkarte von seinem Hotel in Trujillo in die Hand und sie preschten weiter.

Martina und ich sind wie gelähmt. Das Ganze ist für uns unfassbar, und doch, nach all den Schwierigkeiten an der Brücke, so naheliegend.

Wir fahren in die Nacht hinein nach Trujillo. Am späten Abend treffen wir Norbert im Hotel und er erzählt uns was passiert ist.

Petra ist ausgestiegen um das Auto auf die Bretter einzuweisen. Sie selbst stand auf den teilweise nur 30 cm breiten Brettern. Sie hat sich so auf das Auto konzentriert, daß Sie einen Fehltritt machte, den Halt verlor und abstürzte. Sie lebte noch und war bei Bewußtsein. Norbert trug Sie mit Hilfe eines dazugekommenen Lastwagenfahrers ins Auto, aber bis ins nächste Krankenhaus waren es über 2 Stunden Pistenfahrt. Sie hatte große Schmerzen und nach einer Stunde Fahrt wollte Sie unbedingt anhalten. Norbert tat es und kurze Zeit später starb sie am Straßenrand.

Die Ärzte erklärten nach der Autopsie, daß die Todesursache die gebrochenen Rippen waren, die in die Lunge eingedrungen sind.

Wir begleiteten am nächsten Abend Norbert zum Flughafen in Trujillo. Als Petras Sarg über das Rollfeld geschoben wurde, können wir immer noch nicht fassen was passiert ist. Wir hören sie noch lachen, wir machten zusammen Pläne, wir erwogen eine Kanutour in Kanada und jetzt ist alles vorbei.

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